Gedanken erkennen: Warum sie sich als Wahrheit tarnen

Meine Hauptarbeit besteht darin, den Kipp-Punkt meiner Kund:innen freizulegen. Und der Kipp-Punkt ist immer ein Gedanke, der so real aussieht, dass wir ihn nicht als Gedanken erkennen.

Und … verdammt noch einmal … was haben Gedanken für eine Gabe, sich zu tarnen, uns zu täuschen und sich als absolute Wahrheit auszugeben.

Zum Beispiel diese Woche in einem Coaching: Meine Kundin, selbst Coach, erzählt mir, dass sie einen Vortrag vor Kolleg:innen zum Thema Stress-Management halten soll. Natürlich ist die Freude groß. Sie fühlt sich auch sehr geehrt.

Aber … gesteht sie mir … sie fühlt sich auch sehr unsicher.

„Aha. Unsicher. Inwiefern?“

„Naja“, sagt sie, „da sind halt wirkliche Kapazunder dabei. Sehr erfolgreiche Kolleg:innen, die viel mehr verdienen als ich. Das macht mich wirklich nervös!“

„Ok. Und warum macht dich das nervös?“

„Naja, weil was kann ich denen schon erzählen? Die wissen ja alles. Die brauchen sicher nicht mich, die einen Bruchteil verdient, um ihnen zu sagen, wie sie mit Stress umgehen sollen.“

Spannend, oder?

Denn was genau hat ihr Vortrag mit dem Bankkonto der Teilnehmenden zu tun?

Jetzt könntest du vielleicht sagen: Ja, da wäre ich auch nervös.

Oder du denkst dir: Na, grad die, die viel Erfolg haben, brauchen Stress-Management.

Aber … das alles sind Gedanken!

Da ein Gedanke, dass sie sehr erfolgreichen Menschen nicht helfen kann.

Dort der Gedanke, dass sehr erfolgreiche Menschen viel Stress haben.

Beides mag stimmen. Oder auch nicht. Wir wissen es nicht.

Das Label auf der Stirn

Und es ist auch egal. Denn, was da passiert ist viel interessanter. Wir kleben den Menschen ein Label auf die Stirn. „Erfolgreich.“ „Expertin.“ „Wichtig.“ „Wohlhabend.“ Und dann starten wir den Abgleich mit uns selbst.

Du bist das und das …
Ich bin das und das …
und deshalb passen wir zusammen … oder nicht.

Das Tückische daran: Dieser Abgleich passiert blitzschnell. Wir merken gar nicht, dass wir gerade ein Label vergeben und uns daneben gestellt haben. Wir merken nur das Ergebnis: das flaue Gefühl im Bauch, den schnelleren Herzschlag, den Gedanken „Ich gehör da nicht hin.“

Und weil wir den Vorgang nicht sehen, halten wir das Gefühl für eine Information über die Situation. Als würde uns das Gefühl warnen wollen: „Achtung, das ist gefährlich. Die da sind wirklich eine Nummer zu groß für dich.“

Aber das sagt uns kein Gefühl. Das Einzige, was es uns sagt: Wenn du das denkst, fühlst du dich so.

Die Reaktionen auf solch „unangenehmen“ Gefühl variieren. Die einen ziehen sich zurück: „Na, ich nehme den Auftrag lieber doch nicht an, der passt nicht zu mir.“
Die anderen gehen in den Angriff: „Denen werde ich es aber zeigen.“ Und bereiten 80 Folien vor, mit denen sie ihr ganzes Wissen beweisen können.

Rückzug oder Angriff, beides sind Reaktionen auf Gedanken, die nicht als solches erkannt werden.

Immer wieder dasselbe Muster

Ein paar Beispiele, die dir vielleicht bekannt vorkommen:

Der Musiker, der in der kleinen Arena vor 300 Menschen ohne Probleme spielen kann, bei einem Konzert mit 3.000 Leuten aber Herzflattern bekommt.

Oder die Coach, für die ein Stundensatz von 100 Euro ok ist, bei 200 Euro aber Schnapp-Atmung eintritt.

Oder die Kundin, die mit ihrer Nachbarin entspannt über alles redet, aber kein Wort mehr herausbringt, sobald sie erfährt, dass die Nachbarin Psychologin ist.

Oder der Hobby-Fotograf, der begeistert fotografiert, bis jemand fragt: „Was würdest du dafür verlangen?“

Oder die Beraterin, die ein Erstgespräch mit einer Studentin locker führt, aber vor dem Erstgespräch mit einem Vorstand das Outfit dreimal wechselt.

Jetzt sagst du vielleicht: Naja, das sind ja ganz unterschiedliche Situationen. Bei dem einen wird halt der nervös und bei dem anderen der andere.

Und du hast absolut recht. Ganz unterschiedliche Situationen.

Aber was liegt all diesen Beispielen zugrunde?

Nicht eine Zahl, nicht der Kontoauszug und nicht der tatsächliche Erfolg entscheiden, ob du dich in einer Situation sicher fühlst oder nicht.

Sondern ein Gedanke, den du für wahr hältst. Denn in Wahrheit gibt es keinen Unterschied, außer den, den du einer Situation gibst.

300 oder 3.000 Menschen: Es sind einfach Menschen, die gerne Musik hören.

100 oder 200 Euro: Es ist eine Zahl auf einer Rechnung.

Nachbarin oder Psychologin: Es ist dieselbe Frau, mit der du gestern noch über den Gartenzaun geplaudert hast.

„Erfolgreich“ oder „erfolglos“: Menschen, die mal mehr, mal weniger Stress haben.

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So real, bis es das nicht mehr tut

Und ja, zu erkennen, dass das alles nur Gedanken sind, ist tatsächlich oft nicht einfach.

Es sieht so real aus. So wahr. So offensichtlich.

Wenn du mitten drin steckst, fühlt es sich nicht an wie „Ich denke gerade, dass die anderen besser sind als ich.“ Es fühlt sich an wie „Die anderen SIND besser als ich.“ Der Gedanke ist so real, dass wir ihn nicht als Gedanken erkennen, sondern durch ihn hindurch auf die Welt schauen. Wie durch eine Brille, die wir vergessen haben, dass wir sie tragen.

Und das bleibt so lange, bis es das nicht mehr tut. Manchmal reicht ein einmaliges Erkennen. Oft genug müssen wir uns öfters daran erinnern. Und beides ist ok.

Bei meiner Kundin reichte fürs erste Mal die Frage, die ich oben schon gestellt habe:

„Und was genau hat dein Vortrag mit dem Bankkonto der anderen zu tun?“

Es dauerte ein wenig, bis es auch ihr dämmerte: Gar nichts!

Weil in ihrer Geschichte ging es plötzlich gar nicht mehr um Stress-Management. Nicht um Kolleg:innen und nicht um Einkommen.

Da ging es um etwas ganz anderes. Nämlich um die Bewertung: Ich bin nicht gut genug.

Und genau das ist ihr Kipp-Punkt. Immer und immer wieder. Ein Gedanke, den sie für wahr hält. Gut getarnt in allen möglichen Formen, Geschichten, Situationen.

Ja, aber Silvia – bei mir ist das aber keine Geschichte, sondern wirklich wahr!

Und … auch das ist ein Gedanke.

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Alles Liebe

Über mich:

Hallo, ich bin Silvia und bei mir gibt es Freiheit vom Gedankenmüll – damit du an echten Lösungen arbeiten kannst.

Für Selbstständige, Führungskräfte und Menschen, die in ihrem Leben nachhaltig etwas verändern wollen.

Meine Mission ist es, alles aus dem Weg zu räumen, das dich daran hindert, das zu tun, was du eigentlich tun willst – und die zu sein, die du tatsächlich bist.

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