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Probleme: Warum wir diese nicht nur haben – sondern manchmal auch brauchen.

Kennst du Hunde, die ständig einem Ball nachjagen? Beim Spaziergang spielen sie nicht mehr mit anderen Hunden oder beschnüffeln die Umgebung. Sondern sie trippeln neben dem Besitzer her, Blick ständig nach oben, flehend, dass endlich wieder der Ball geworfen wird, dem sie dann gierig nachhetzen können. Und dann beginnt das Spiel wieder von vorne.

Menschen hecheln im Normalfall keinem Ball nach. Dafür aber Problemen.

Probleme mit dem Geld. Mit dem Job. Mit den Kund:innen. Mit dem Partner, den Kindern, den Eltern, den Freunden, dem Auto, den Nachbarn, dem Wetter, dem Körper, dem Urlaub, den Nachrichten – und noch tausend mehr.

Probleme zu haben gilt als normal, sogar als Beweis, dass wir mitten im Leben stehen. Sagt jemand „Mir geht’s gut, ich hab keine Probleme“, folgt meist ein skeptischer Blick. Entweder die Person lügt. Oder sie hat nichts zu tun.

Aber was passiert, wenn der Kopf tatsächlich keine Probleme mehr produziert?

Aufgaben – ja, klar, die bleiben. Rechnungen schreiben, Projekte planen, To-dos abarbeiten, Küche zusammenräumen, Geld verdienen.

Aber was, wenn daraus einfach kein Problem mehr gemacht wird?

Und dann ist da Langeweile

Einer Kundin von mir ist genau das passiert. Sie war, wie die meisten von uns, Problem-Junkie – nur ging es bei ihr weniger um die alltäglichen Probleme. Bei ihr waren es die großen Lebensfragen: Wie werde ich zufrieden? Wie kann es leichter gehen? Was ist überhaupt der Sinn des Ganzen?

Fast 30 Jahre lang war das ihre Lebensaufgabe. Sie hat gelernt, studiert, ausprobiert. Bücher gelesen, Ausbildungen gemacht, Jobs gewechselt.

„Und irgendwann“, sagte sie, „war es plötzlich ruhig in mir.“ Sie hat getan, was zu tun war – und wenn das erledigt war, hat sie einfach nichts gemacht.

Dann ist etwas Spannendes passiert: Ihr wurde enorm langweilig.

„Weißt du, Silvia, früher hat sich mein ganzes Denken um diese eine Frage gedreht: Wie kann es leichter werden. Und als es dann diesen Shift gab – als ich erkannt hab, das sind alles nur meine Gedanken -, hatte mein Verstand plötzlich seine wichtigste Aufgabe verloren: Probleme zu lösen.

Und was dann aufgetaucht ist, war große Langeweile. Was mache ich mit der ganzen Zeit, wenn ich nicht mehr ständig suche, grüble, nachdenke?“

Plötzlich keine Probleme mehr

Dieses Phänomen erleben viele.

Bei mir war es ähnlich. Auch ich habe Langeweile empfunden. Und auch Orientierungslosigkeit.

Denn wir glauben ja alle, wir wollen das Ende unserer Suche. Das Ende der Probleme.

Nur im Nachhinein betrachtet habe ich diese „Suche nach der großen Antwort“ geliebt. Ich war immer beschäftigt, konnte immer ein großes Rätsel lösen. Es gab meinem Leben Sinn.

Oft denken wir ja – oder hoffen es: Wenn wir unsere Probleme gelöst haben, dann empfinden wir Erleichterung. Dann geht es uns gut. Dann sind wir endlich frei. Tatsächlich fürchten sich viele aber genau vor dieser Stille und dieser Leere.

Stell dir selbst nur kurz vor, du wachst morgens auf, und es gibt kein einziges Problem mehr zu lösen.

Wie fühlt sich das für dich an?

Vielleicht denkst du: Ja, aber was mach’ ich dann den ganzen Tag? Oder: Oh, das wäre der schönste Tag meines Lebens. Oder: Nein, das passiert in meinem Leben sicher nicht, dafür hab ich viel zu viele Baustellen.

Vielleicht aber formulierst du auch gleich um: Ich habe keine Probleme, das sind Herausforderungen, an denen ich wachse. Oder du gibst dich kämpferisch: Gib mir Zitronen, ich mach’ Limonade draus.

Wie auch immer du es nennst – an Problemen wird gearbeitet. Sie werden gelöst, bekämpft, analysiert, optimiert. Sie wecken uns um drei Uhr nachts auf.

Und manchmal suchen wir sogar nach ihnen.

Ich hatte mal einen Geschäftspartner, bei dem war das extrem. Wir haben an einem großen Projekt gearbeitet, und das Einzige, was er sehen konnte, waren Probleme.

Das wirklich Frustrierende: Sobald wir für eines eine Lösung gefunden hatten, zauberte er wie ein Magier schon das nächste aus dem Hut. Es war zum Haare raufen.

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Von Problemen zu Aufgaben

Das Spannende ist: Sobald du keine Probleme mehr siehst, siehst du Aufgaben. Das haben sowohl meine Kundin als auch ich so erlebt.

Zu wenig Geld auf dem Konto? Okay, dann muss ich neues verdienen.
Schmutziges Geschirr in der Küche? Okay, dann muss ich es abwaschen.
Ein Projekt, das erledigt werden muss? Dann erledige ich es.

Das Leben besteht schließlich weiterhin aus Dingen, die getan werden wollen.

Aber aus einer Aufgabe muss kein Problem werden.

Und plötzlich erledigst du einfach eine Aufgabe nach der anderen und stellst fest: Es geht unglaublich viel weiter. In kürzerer Zeit. Mit weniger Anstrengung. Und vor allem ohne den Gedanken-Müll, den ein „Problem“ so gerne mit sich bringt.

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Was bedeutet eigentlich „Problem“?

Diese Sichtweise – die großen und kleinen Dinge des Lebens nicht als Probleme zu sehen, sondern aus Aufgaben- kommt dem ursprünglichen Begriff sogar näher, als wir denken. „Problem“ kommt aus dem Altgriechischen próblēma, von pro („vor“) und ballein („werfen“). Es bedeutet also eigentlich: das Vorgelegte, das Vor-geworfene. (Da wären wir wieder beim Ball, dem wir so gern nachjagen.)

Ursprünglich war ein Problem nicht unbedingt etwas Schlechtes – eher eine vorgelegte Aufgabe, eine Fragestellung. Erst später bekam das Wort seine heutige Bedeutung: Schwierigkeit, Störung, unerwünschte Situation.

Das heißt: Wenn wir heute sagen „Ich habe ein Problem“, steckt darin bereits eine Interpretation. Wir machen aus etwas, das vor uns liegt, etwas, das so nicht sein sollte.

Eine andere Kundin von mir hat dieses „Ich habe da ein riesiges Problem, und bevor das nicht gelöst ist, kann ich nicht glücklich sein“-Phänomen einmal sehr schön beschrieben: Sie fühlt sich wie ein Hund, der sich an einem Knochen festgebissen hat und nicht mehr loslassen kann.

Und damit sind wir bei einer vielleicht noch interessanteren Frage.

Süchtig nach dem Problem – oder nach dem Lösen?

Vielleicht schauen wir die ganze Zeit nur in die falsche Richtung.
Denn vielleicht geht es weniger um die Probleme.
Sondern um das Lösen.

Das ist ein großer Unterschied.

Denn vielleicht ist die Vorstellung, endlich alle Probleme gelöst zu haben, für einen Problemlöse-Junkie gar nicht so attraktiv, wie er glaubt.

Denn im Prinzip liebt er oder sie genau das: Probleme lösen. Immer etwas zu tun haben. Immer etwas herausfinden, verbessern, verstehen oder optimieren können. Das gibt dem Verstand eine Aufgabe.

Und uns ein Gefühl von Wichtigkeit. Von Gebrauchtwerden. Und manchmal sogar von Überlegenheit: Wer viele Probleme lösen kann, muss doch ein schlauer Kopf sein.

Was aber, wenn das wegfällt?

Wer bist du dann?
Was tust du dann?
Was ist dann dein Sinn im Leben?

Wenn Probleme wegfallen, entsteht nicht automatisch Glück, Zufriedenheit oder Leichtigkeit.

Es kann zuerst mal ganz schön leer werden. Und Langeweile entstehen. Verwirrung. Orientierungslosigkeit.

Denn wenn dein Verstand jahrelang darauf trainiert war, nach Problemen zu suchen und sie zu lösen, dann fühlt sich ein Leben ohne diese Beschäftigung vielleicht erst einmal ziemlich … sinnlos an.

Vielleicht halten wir deshalb unbewusst an Problemen fest. Aber nicht, weil wir unbedingt leiden wollen. Sondern weil die Abwesenheit von ihnen in uns eine ungewohnte Leere erzeugt, mit der wir nicht wissen, was tun.

Was also bleibt, wenn nichts mehr repariert, gelöst, verstanden oder optimiert werden muss?

Ich würde nicht sagen: „Dann bist du glücklich.“

Sondern eher: Dann ist da erst einmal einfach nur … Leben.

Alles Liebe

Über mich:

Hallo, ich bin Silvia und bei mir gibt es Freiheit vom Gedankenmüll – damit du an echten Lösungen arbeiten kannst.

Für Selbstständige, Führungskräfte und Menschen, die in ihrem Leben nachhaltig etwas verändern wollen.

Meine Mission ist es, alles aus dem Weg zu räumen, das dich daran hindert, das zu tun, was du eigentlich tun willst – und die zu sein, die du tatsächlich bist.

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