Freiheit: Warum es mehrere gibt und du sie nicht vermischen solltest
„I want to break free“ – früher einer meiner Lieblingssongs. Ich wollte frei sein. Von all den Belastungen, von all der Schwere, von allem, was in meinem Leben nicht rund lief.
Job gewechselt, Beziehungen gewechselt, Wohnorte gewechselt … das Ergebnis war immer dasselbe: Von Freiheit weit und breit keine Spur.
Den Drang nach Freiheit spüren viele. Frei sein, um tun und lassen zu können, was man will. Freiheit bedeutet glücklich sein. Freiheit bedeutet Bewegung. Und Freiheit bedeutet endlich Ruhe.
Das stimmt alles. Es gibt nichts Schöneres als das Gefühl der Freiheit. Es ist wie eine frische Meeresbrise, wenn der Wind durchs Haar weht und der Blick weit in die Ferne schweifen kann.
Was allerdings oft passiert: Wir opfern eine Freiheit für eine andere – meistens, ohne es zu merken. Wir schränken uns finanziell ein, weil wir (unbewusst) glauben, dass viel Geld uns zu einem schlechteren Menschen macht. Oder wir opfern unsere emotionale Freiheit, weil wir glauben, in einer Beziehung, einem Job oder einer anderen Situation ausharren zu müssen – auch wenn sie uns schon lange nicht mehr guttut.
Wie wäre es aber, wenn es nicht die eine große Freiheit gibt, sondern verschiedene Arten von Freiheit, die unabhängig voneinander existieren können?
Ich habe vier entdeckt. Du findest vielleicht noch weitere Freiheiten, die dir wichtig sind.
Meine vier Freiheiten
Emotionale Freiheit – was ich fühle
Es geht nicht darum, frei von „negativen“ Gefühlen wie Angst, Scham, Frust oder Wut zu sein – sondern darum, dir zu erlauben, alle Gefühle zu fühlen. Und zu erkennen: Deine Gefühle hängen nicht von äußeren Umständen ab – auch wenn es oft so aussieht.
Kreative Freiheit – Was ich tue
Das hat nicht unbedingt etwas mit künstlerischer Arbeit zu tun, sondern eher damit, ob sich meine Arbeit sinnvoll, leicht und erfüllend anfühlt – ob sie fließen kann (Flow) – oder ob ich sie als anstrengend, mühsam und sinnlos empfinde.
Spirituelle Freiheit – Wer ich bin
Spirituelle Freiheit ist weniger eine Methode als eine Frage: Bist du mit dir in Frieden? Oder anders gesagt: Sprichst du deine Sprache – oder verbiegst du dich, weil du gefallen und nicht anecken möchtest?
Finanzielle Freiheit – Meine Beziehung zu Geld, Besitz, Wert
Finanzielle Freiheit ist viel mehr als das Geld auf deinem Bankkonto oder der Besitz, den du dein Eigen nennst. Mit Geld kannst du dir Bequemlichkeit kaufen – das ist fein. Aber das ist nicht, worum es geht.
Es geht darum, wie sehr du deinen Wert von Geld abhängig machst. Wie viel Raum das Thema in deinen Gedanken einnimmt. Und welche Geschichten du dir rund um Geld erzählst.
Wenn die Freiheiten Knoten bilden
Das Problem entsteht selten in einer Freiheit allein. Es entsteht, wenn wir Knoten zwischen ihnen knüpfen. Daher ergibt es Sinn, einzelne Bereiche bewusst zu trennen und Verbindungen aufzuheben, die wir – meist unbewusst – zwischen ihnen gezogen haben.
Eine Kundin kam zu mir, weil sie sich so schwertat, ein angemessenes Honorar für ihre Arbeit zu verlangen. Irgendetwas in ihr sperrte sich dagegen, Geld zu verlangen. Ihre Geschichte dazu: „Ich will nicht so sein wie alle anderen. Extrem hohe Preise verlangen. Oder dieses laute Marketing – ich hab immer das Gefühl, ich muss die Leute über den Tisch ziehen. Und das will ich nicht.
Auf der anderen Seite muss ich Geld verdienen. Ich muss meine Rechnungen bezahlen. Und will mir auch wieder mal was leisten, nicht immer nur jeden Cent umdrehen.
Und ich möchte das eigentlich tun mit dem, was ich gerne tue. Ich liebe mein Business. Aber irgendwie scheint das alles nicht zu funktionieren.“
Geld steht selten allein da
Was meine Kundin hier tat: Sie vermischte verschiedene Freiheiten miteinander. Für sie fühlte sich Geld verdienen nicht „rein“ an – eine Frage der spirituellen Freiheit. Gleichzeitig verursachte ihr das Thema Geld Unbehagen – emotionale Freiheit. Und beides hatte sich so fest mit der finanziellen Freiheit verwoben, dass für sie ein angemessenes Honorar plötzlich bedeutete, jemand zu werden, der sie nicht sein will.
In unserer Arbeit haben wir diese Bereiche aufgesplittet. Denn was, wenn das eine wirklich nichts mit dem anderen zu tun hat?
Das heißt: Du kannst dir deine emotionale und spirituelle Freiheit bewahren, ganz gleich, welchen Preis du für deine Arbeit verlangst. Und du kannst ganz gezielt an deiner finanziellen Freiheit arbeiten, ohne dass sich dadurch verändert, wie du dich fühlst oder wer du bist.
Und genau das macht den Unterschied. Solange ich glaube, ich bin ein schlechter Mensch, nur weil ich viel Geld verdienen möchte, vermeide ich dieses Thema. Ich verdränge es, schiebe es auf, widme mich ihm nicht wirklich. Nur damit wird es halt auch nicht geklärt.
Sehe ich aber, dass meine Gefühle unabhängig von meiner finanziellen Situation sind, ändert sich die Frage. Aus „Wie bekomme ich ein besseres Money-Mindset?“ wird „Was kann ich konkret tun, um finanzielle Freiheit zu erlangen?“
Don’t stop me now
„I want to break free“ – jahrelang war das mein innerer Soundtrack. Ich wollte die eine, große Befreiung im Außen. Dabei habe ich übersehen, dass ich in Wahrheit längst frei war – ich hatte meine Freiheiten nur so fest miteinander verknotet, dass ich mich kaum noch bewegen konnte.
Freiheit ist kein All-in-One-Paket. Wenn du deine emotionale, spirituelle, kreative und finanzielle Freiheit sauber voneinander trennst, kann sich etwas bewegen.
Die spannende Frage ist also nicht: „Wie werde ich frei?“
Sondern: Wo vermische ich etwas, was es so nicht gibt?
Wenn du hier Klarheit schaffst, könnte sich noch viel mehr verändern. Dann wird aus „I want to break free“ ein „Don’t stop me now“.
Denn wenn du frei bist, steht dir die Welt offen.
Und wer soll dich dann noch stoppen können?


