Inhalt
Beitrag teilen
Termin vereinbaren

Ist es tatsächlich dringend oder fühlt es sich nur so an?

Du arbeitest an einem Text. Artikel, Vertrag, Ausschreibung. Du bist konzentriert und ganz bei der Sache. Plötzlich siehst du aus dem Augenwinkel eine hereinkommende Mail.

Was tust du?

Lässt du sie einfach in deinem Posteingang landen und widmest dich wieder deinem Text? Oder spürst du den Drang, sofort nachzuschauen — denn es könnte ja dringend sein?

Vermutlich schaust du nach und antwortest auch zügig. Du bist damit definitiv nicht allein. Eine groß angelegte Analyse von über 16 Milliarden E-Mails zeigt Erstaunliches: Der Median der Antwortzeit liegt bei gerade einmal 25 Minuten. Und das bedeutet, dass die Hälfte aller Menschen sogar noch schneller reagiert.

Nur warum eigentlich?

Denn ganz ehrlich: Wie viele Mails in deiner täglichen Flut brauchen wirklich sofortige Bearbeitung? Vermutlich die wenigsten. Also warum lassen wir alles stehen und liegen?

Das Gefühl lügt nicht. Es beschreibt nur das Falsche.

Wenn du gefragt wirst, warum du sofort geantwortet hast, wirst du sagen: „Weil es dringend war.“ Und das ist nicht einmal gelogen.

Die Frage ist nur: Ist tatsächlich die Sache dringend? Oder fühlt es sich nur dringend an?

Du sagst vielleicht – ja, ist ja das Gleiche.

Nicht ganz.

Nehmen wir ein Beispiel: Du wachst in der Nacht um drei Uhr mit Herzrasen auf. Du hast vergessen, deinen Kunden anzurufen. Du spürst den Druck, machst dir Vorwürfe. Was wird er sich denken?

Es fühlt sich so dringend an, dass du tatsächlich kurz überlegst, ihn jetzt anzurufen. Oder ihm zumindest eine kurze Nachricht zu schicken.

Aber ist dieser Anruf tatsächlich dringend? Um 3 Uhr in der Nacht?

Oder fühlt es sich nur so an?

Ich kenne das. Nur sah es bei mir anders aus.

Bei mir war es nicht der Anruf um 20 Uhr oder das Herzrasen um drei Uhr morgens. Bei mir war einfach alles dringend. Immer. Gleichzeitig.

Ich konnte mich nirgends einfach hinsetzen. Nicht auf die Couch, nicht in ein Café, nicht in die Sonne. Weil sofort kam der nächste Gedanke: Das ist noch offen. Das auch. Und das dort drüben auch noch.

Ich war nie wirklich bei der Sache. Immer schon halb beim nächsten Punkt. Beim übernächsten Termin. Bei dem, was noch fehlte.

Nicht gehetzt von außen. Von innen.

Und das Merkwürdige daran: Wenn ich ehrlich zurückschaue, war das meiste davon gar nicht wirklich dringend. Es hat sich nur so angefühlt. So unausweichlich, so drängend, so jetzt-oder-nie. Aber die Dinge wären auch noch am nächsten Tag dagewesen. Sie haben auf mich gewartet — ich musste nicht auf sie springen.

Das zu sehen hat gedauert.

Was steckt wirklich dahinter?

„Weißt du, was das Irre ist, Silvia? Ich tue das alles nur, damit es mir besser geht.“

Das waren die entsetzten Worte meiner Kundin. Entsetzt, weil sie bis dahin gedacht hatte, sie kümmert sich um andere, weil sie helfen möchte. Weil sie Verantwortung trägt. Weil das ihre Natur ist.

Und ja, das stimmt auch alles.

Aber es gibt diese Momente, wo sie um 20 Uhr eigentlich nichts ans Telefon gehen möchte. Wo sie mit ihrer Familie im Wohnzimmer sitzt und einen Film schaut. Und trotzdem aufsteht, ins Büro geht und sich kümmert.

Ich habe sie gefragt, was wäre, wenn sie einfach nicht abhebt.

Das hält sie nicht aus, meinte sie. Sie könne niemandem im Stich lassen. Wenn sie das nicht täte, würde sie ihre Kunden vergraulen.

Bis zu dem Abend, an dem sie tatsächlich nicht abgehoben hat. Klar hat ihr Herz dabei laut geschlagen. Klar hatte sie ein schlechtes Gewissen.

Aber sie hat es ausgehalten und den Film zu Ende geschaut.

Und nichts ist passiert. Außer dass sie zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich da war.

Kennst du schon meinen Podcast?

Diese Episode könnte für dich auch interessant sein.

Die Geschichte, die den Stress erzeugt

Genau dieses Aushalten ist das Schwierige. Denn wir glauben, das dringende Gefühl kommt, weil die Sache dringend ist. Logisch — wäre sie es nicht, würden wir es doch gar nicht so spüren.

Aber das stimmt so nicht.

Das Gefühl der Dringlichkeit hat weniger mit der Sache zu tun, als mit der Geschichte, die wir uns dazu erzählen.

Bei meiner Kundin war der Anruf nicht dringend. Aber ihre Gedanken waren es: Wenn ich nicht abhebe, lasse ich ihn im Stich. Wenn ich ihn im Stich lasse, will er nicht mehr mit mir arbeiten.

Genau das erzeugt die Dringlichkeit.

Dieses „Wenn ich nicht sofort reagiere, passiert etwas Schlimmes“ — das ist es, was den Stress auslöst. Und die rasche Reaktion dient dann weniger der Sache, sondern nur einem Ziel: das unangenehme Gefühl so schnell wie möglich loszuwerden.

Der Moment, in dem sich etwas verändert

Das ist unangenehm zu sehen. Ich weiß.

Denn es bedeutet: Nicht die E-Mail war das Problem. Nicht der Kunde, der um 20 Uhr anruft. Sondern das Gefühl, das du nicht aushalten wolltest.

Und das lässt sich nicht wegoptimieren. Keine Methode macht es einfacher, dieses Gefühl einfach da sein zu lassen.

Aber genau das – nur das – ist der Moment, in dem sich etwas verändert.

Vielleicht ist das also die eigentliche Frage. Nicht: Wie werde ich schneller, effizienter, ruhiger?

Sondern: Welches Gefühl halte ich gerade nicht aus?

Alles Liebe

Über mich:

Hallo, ich bin Silvia. und ich bin die Mentale Detektivin.

Ich helfe Unternehmer:innen und Führungskräften, die versteckten „Fehler“ in ihrem Betriebssystem zu finden – die Glaubenssätze, die sich wie Wahrheiten anfühlen, und die Muster, die auf Autopilot laufen.
Wenn dein Ego aufhört, die Regie zu führen, werden Erfolg, Klarheit und Zufriedenheit von einer mühsamen Jagd zu einem logischen Nebenprodukt deiner mentalen Freiheit.

Du hast den Erfolg bereits.
Ich helfe dir, die Freiheit dazu zu finden.

Leave A Comment

Free E-Book

Höher. Schneller. Weiter. Erschöpfter?
Damit ist jetzt Schluss.

In diesem E-Book zeige ich dir, wie du mit der Umgekehrten Erfolgsformel© durch ein besseres Wohlbefinden bessere Ergebnisse erzielst.

Free E-Book