Richtige Entscheidung: Wie soll ich wissen, was ich tun soll?

„Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll!“

Meine Kundin sitzt mir mit geröteten Augen gegenüber. Sie hat drei Nächte nicht geschlafen. Pro & Contra Listen geschrieben. Mit Freunden, Partner, Kolleg:innen gesprochen.

Soll sie sich nach 20 Jahren Konzern-Karriere selbstständig machen? Den Schritt wagen. Sich ihren Traum erfüllen. Sie spürt, dass es passen würde – und gleichzeitig sind da diese Fragen: Was, wenn ich scheitere? Was, wenn ich dem Druck nicht gewachsen bin? Was, wenn mir die Motivation verloren geht?

Oder soll sie die Sicherheit wählen, den nächsten Karriere-Schritt gehen und die Stelle annehmen, die ihr Chef ihr angeboten hat.

Sie fragt mich: „Wie kann ich sicher sein, was die richtige Entscheidung ist?“

Und ich frag’ zurück: „Kannst du das überhaupt wissen?“

Stille.

„Nein“ sagt sie leise. „Kann ich nicht.“

Ganz genau.

Die Selbstständigkeit mit einem neuen Job im gleichen Unternehmen zu vergleichen, ist, als ob wir die geführte Stadtrundfahrt mit dem Pilgern am Jakobsweg vergleichen würden.

Zwei komplett unterschiedliche Reisen mit ganz anderen Voraussetzungen. Also benötigen sie auch andere Werkzeuge, um überhaupt eine Entscheidung treffen zu können.

Nur was genau ist der Unterschied?

2 Arten von Entscheidungen

Im Groben gibt es zwei unterschiedliche Arten von Entscheidungen. Vertauschen wir die, dann landen wir schnell in einer Endlos-Schleife von „Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden“ und „Was wäre, wenn …“- Grübelein. 

Die zwei Arten im Detail:

1. Die geführte Stadtrundfahrt – viel Erfahrung, wenig Variablen

Die geführte Stadtrundfahrt ist der Workshop, den du schon zum hundertsten Mal hältst, die zehnte Umstrukturierung, die du mitmachst, die Städtereise, die du jedes Jahr mit deiner Familie unternimmst.

Da kannst du in einem Archiv von Erfahrungen kramen und die Punkte, die für dich unbekannt sind, halten sich in Grenzen.

In dieser Kategorie helfen Pro & Contra Listen und konkrete Planung.

Bei meiner Kundin war das der neue Job im alten Unternehmen. Ja, sie bekommt eine neue Organisations-Einheit, neue Kolleg:innen, aber sie kennt die Abläufe, die Strukturen, den Aufgabenbereich. Sogar ihr Büro könnte sie behalten.

Sie weiß eigentlich genau, was sie erwartet. Die Frage ist eher, will sie das oder nicht.

Aber die Selbstständigkeit. Das ist ein anderes Kaliber. Die fällt in die Kategorie „Jakobsweg“.

2. Der Jakobsweg – wenig Erfahrung, viele Variablen:

Ich war 2021 am Jakobsweg. Und ja, ich habe davor geplant. Bin eine 20 km Strecke gegangen. Habe den Rucksack eingetragen. Mir leichte Wäsche besorgt.

Aber dann am Weg. Ganz ehrlich, all meine noch so guten Pläne waren für die Katz. Sogar der Plan, den ich in der Früh aufgestellt habe, war zu Mittag schon veraltet.

Weil ich einfach nie wusste: Stimmt die Beschilderung? Machen meine Beine mit? Bekomme ich eine Blase? Treffe ich interessante Menschen, mit denen ich eine Weile gehen möchte.

In dieser Kategorie haben wir vor allem eines: Kein Wissen. Und genau das macht uns verrückt.

Die Wissens-Bibliothek

Unser Verstand treibt ein übles Spiel mit uns. Er gaukelt uns vor: Wenn du nur mehr nachdenkst, mit mehr Menschen sprichst, mehr Erfahrungsberichte im Internet liest, noch mehr Listen schreibst … dann irgendwann wirst du wissen.

Aber das passiert nie. Weil der Verstand versucht hier etwas zu wissen, was er einfach nicht wissen kann.

Ein wenig kannst du dir deinen Verstand wie eine riesengroße Bibliothek vorstellen. In den Regalen stehen hunderte, ja tausende von Büchern, alle gefüllt mit deinen Erfahrungen und Erlebnissen – all deinen bisherigen Städtereisen.

Aber … kein einziges Buch über den Jakobsweg.

So, wenn du also jetzt vor dieser Bibliothek stehen würdest: Würde dir noch mehr suchen helfen, damit du Buch über den Jakobsweg doch noch findest?

Nein, würde es natürlich nicht!

Nur das ist genau das, was die meisten Menschen tun. Sie grübeln, sie überlegen, sie hauen sich die schlaflosen Nächte um die Ohren.

Weil sie glauben, dass noch mehr Nachdenken irgendwann die erhoffte Antwort bringt.

Tut es aber nicht.

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Wie kannst du wissen?

„Aber wie kann ich dann wissen, was ich tun soll?“ fragte meine Kundin.

„Beim Jakobsweg“ sagte ich, „gibt es eine Redewendung ‚Nicht du rufst den Weg, der Weg ruft dich.‘“

Was so viel bedeutet wie: Du wirst wissen, wann du losgehen sollst.

Und das ist bei allen großen, unbekannten Entscheidungen so. Es gibt den Moment, an dem wir einfach wissen.

Und du kennst das ganz sicher von dir. Dieser Moment, wo du einfach weißt. Du hast zwar keine Ahnung, woher dieses Wissen kommt. Ganz sicher nicht vom Kopf, weil der grad Panik schiebt. Sondern von einem tieferen Ort in dir. Nenne es Intuition, inneres Wissen, Weisheit.

Das Problem ist also weniger, dass wir im Moment nicht wissen. Sondern dass wir glauben, wissen zu müssen. Und zwar jetzt gleich, sofort.

Und dass noch mehr Nachdenken frische Antworten bringt.

Was, wenn es gar nicht darum geht, zwischen Sicherheit und Mut zu wählen?

Und es gibt noch einen anderen Ratschlag, den du vielleicht oft hörst:

„Folge deinem Herzen.“ „Sei mutig.“ „Stürze dich ins Abenteuer.“

Das alles klingt als Buchtitel grandios.

Aber weißt du, was ich in Jahren als Coach beobachtet habe

Die wenigsten Menschen springen einfach. Die meisten schleichen sich an ihre große Entscheidung heran – und das ist nicht Schwäche, das ist Weisheit.

Was hatte meine Kundin gemacht?

Nun, zuerst einmal hat sie den Job angenommen und die neue Abteilung aufgebaut.

Aber gleichzeitig haben wir an ihrer Selbstständigkeit gearbeitet. Sie hat die ersten Kund:innen und gleichzeitig an Sicherheit gewonnen. Und ein Jahr später hat sie tatsächlich gekündigt und ist zur Fulltime-Unternehmerin geworden.

Sie hat nicht zwischen Sicherheit und Traum gewählt. Sie hat beides genommen — und durch das Nebeneinander ist etwas entstanden, was weder die eine noch die andere Option allein gebracht hätte.

Der Job hat ihr Zeit und Geld gegeben, um rauszufinden, ob die Selbstständigkeit wirklich funktioniert. Die Selbstständigkeit hat ihr gezeigt, dass sie es kann — was ihr wiederum die Klarheit gegeben hat, zu kündigen.

Was ich dir mitgeben will

Wenn du vor einer Entscheidung stehst — frag dich nicht nur: Was ist die richtige Entscheidung?

Frag dich zuerst: Welche Art von Entscheidung ist das überhaupt? Ist das die x-te Stadtrundfahrt? Oder der Jakobsweg?

Und wenn die Antwort in Richtung Jakobsweg geht – dann leg die Listen weg.

Weil in diesem Fall die ehrlichste Antwort auf die Frage: „Wie soll ich mich entscheiden?“, ein „Ich weiß es nicht!“ ist.

Alles Liebe

Über mich:

Hallo, ich bin Silvia. und ich bin die Mentale Detektivin.

Ich helfe Unternehmer:innen und Führungskräften, die versteckten „Fehler“ in ihrem Betriebssystem zu finden – die Glaubenssätze, die sich wie Wahrheiten anfühlen, und die Muster, die auf Autopilot laufen.
Wenn dein Ego aufhört, die Regie zu führen, werden Erfolg, Klarheit und Zufriedenheit von einer mühsamen Jagd zu einem logischen Nebenprodukt deiner mentalen Freiheit.

Du hast den Erfolg bereits.
Ich helfe dir, die Freiheit dazu zu finden.

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