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Überzeugungen hinterfragen und neu denken

Hast du schon mal eine Faszienrolle benutzt? Diese zylindrischen Schaumstoffrollen, die oft im Fitnessstudio zu finden sind, sind weit mehr als nur ein einfaches Trainingsgerät. Sie helfen, verklebte Faszien – das Bindegewebe, das Muskeln und Organe umhüllt – zu lockern, wodurch unser Körper geschmeidiger und beweglicher wird. Doch was hat das mit unseren Überzeugungen zu tun? Ganz einfach: Unsere Überzeugungen sind wie die Faszien unseres Geistes. Sie umgeben und durchdringen unsere Gedanken und Wahrnehmungen, geben ihnen Struktur und Halt. Gleichzeitig können sie uns aber auch einschränken und schmerzhaft eng werden, wenn sie zu starr und unveränderlich sind.

In diesem Artikel werde ich erforschen, wie unsere geistigen „Faszien“ – unsere tief verwurzelten Überzeugungen und Glaubenssätze – unser Leben beeinflussen, und wie wir lernen können, sie zu lockern und neu zu denken.

Überzeugungen: Die geistigen Faszien, die unsere Welt-Sicht formen

Faszien halten unseren Körper in Form. Genauso prägen unsere Überzeugungen und Glaubenssätze die Struktur unseres Denkens. Sie sind das Ergebnis unserer Erziehung, unserer Erfahrungen und der Kultur, in der wir aufwachsen. Diese mentalen Faszien bestimmen, wie wir die Welt sehen, wie wir reagieren und mit welchen Erwartungen wir durchs Leben gehen. Sie können uns Halt und Orientierung geben, aber auch unsere Sichtweise einschränken und uns in alten Mustern festhalten lassen.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Die Überzeugung, dass „große Hunde gefährlich sind“, kann aus einer einzigen Erfahrung in der Kindheit stammen. Diese Überzeugung wirkt wie eine geistige Faszie, die jedes Mal angespannt wird, wenn wir einem großen Hund begegnen. Unser Herzschlag beschleunigt sich, wir werden ängstlich – unser ganzer Körper reagiert auf ein Muster, das in unserer Vergangenheit geformt wurde.

Doch was passiert, wenn diese Überzeugungen herausgefordert werden? Was, wenn wir auf freundliche, sanfte große Hunde treffen? Hier zeigt sich die Bedeutung der Flexibilität unserer geistigen Faszien.

Wenn wir lernen, unsere Überzeugungen zu hinterfragen und uns neuen Erfahrungen zu öffnen, können wir beginnen, sie zu dehnen und flexibler zu gestalten. So wie das regelmäßige Arbeiten mit einer Faszienrolle physische Verklebungen löst, kann das bewusste Reflektieren und Infragestellen alter Glaubenssätze unsere mentalen Blockaden lösen und unser Denken erweitern.

Meine Begegnung mit den Grenzen meiner Überzeugungen

In meinem eigenen Leben war eine solche starre Überzeugung die Ansicht, dass Marketing und Verkaufen etwas grundsätzlich Negatives sei. Diese rigide Meinung über Marketing und Verkauf wurde stark durch ein prägendes Erlebnis in meiner Jugend geformt.

Eines Tages klopfte eine Frau an unsere Tür, um ein Zeitschriften-Abo zu verkaufen. Meine erste Reaktion war „Nein, brauchen wir nicht.“ Aber dann begann die geschulte Dame, mir ihre Leidens-Geschichte zu erzählen. Sie war schwanger, finanziell in Bedrängnis und unter enormem Druck, Verkaufsziele zu erreichen.

Na ja, du kannst es dir sicher vorstellen, nach einigen Minuten emotionalem Gerede, hielt ich einen unterschriebenen Vertrag in Händen. Als mein Vater davon erfuhr, war er alles andere als begeistert. Er bestand darauf, dass ich das Abo sofort wieder storniere. Was ich auch tat. Damit sollte die Geschichte eigentlich erledigt sein.

War sie aber nicht. Denn der eigentliche Einfluss dieses Erlebnisses lag tiefer. Es hinterließ in mir die feste Überzeugung, dass Verkaufen gleichbedeutend mit Manipulation und Ausnutzung ist. Diese Überzeugung war für mich lange heilsam, denn ich ging jedem aus dem Weg, der auch nur den Anschein machte, mir irgendwas verkaufen zu wollen.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir diese angelernte Einstellung plötzlich im Wege stand.

Nämlich als ich mich selbstständig machte und nun selbst verkaufen und Marketing betreiben musste.

Nur wie sollte ich das tun, wenn ich der festen Meinung war, dass Verkaufen nur bedeutete, jemandem etwas aufschwatzen, was er/sie eigentlich gar nicht braucht oder will?

Unser Körper als Wächter unserer mentalen Sicherheit

Unser Körper und besonders unser Gehirn haben eine essenzielle Mission: uns am Leben zu halten und vor Gefahren zu schützen. Unsere Überzeugungen bilden dabei ein wichtiges mentales Gerüst.

Stoßen wir auf Situationen, die unseren Vorstellungen widersprechen, heult unsere innere Alarmanlage laut auf und warnt uns vor einer vermeintlichen Gefahr.

Unser Körper reagiert sofort: Wir geraten in den Kampf- oder Fluchtmodus, unser Herzschlag beschleunigt sich, Hormone werden freigesetzt, der Magen krampft sich zusammen und unser gesamter Körper spannt sich an. Diese Reaktion fühlt sich alles andere als angenehm an und unser oberstes Ziel ist es, schnellstmöglich aus dieser als gefährlich empfundenen Situation herauszukommen.

Bei mir, und ich weiß, dass es vielen meiner Kund:innen ähnlich geht, hat allein der Gedanke an „Verkaufen“ und „Marketing“ solche Stressreaktionen ausgelöst.

Sobald ich mich in diese Richtung bewegte, überschwemmten mich Gedanken wie „Verkaufen ist schlecht“, „Du willst doch niemanden täuschen“ oder „Das macht dich zu einem schlechten Menschen“.

Diese Gedanken führten dazu, dass sich mein Brustkorb zusammenzog, ich schwerer atmete und meine Schultern sich verspannten. Erst wenn ich mich wieder von diesen Themen abwandte und mich mit sichereren Dingen beschäftigte, wie zum Beispiel an meiner Webseite zu arbeiten, entspannte sich mein Körper wieder. Da war keine Bedrohung, ich fühlte mich sicher.

So genial dieser Schutzmechanismus unseres Gehirns auch ist, ist er in vielen Fällen alles andere als hilfreich. Wir glauben nämlich, dass alles in Ordnung ist, wenn wir uns gut fühlen – also keine körperlichen Stresssymptome spüren. Umgekehrt interpretieren wir Stressanzeichen wie das Zusammenziehen von Brust und Magen, erhöhten Puls oder Spannung im Schulterbereich als Zeichen einer Gefahr, die es zu meiden gilt.

Aber das ist nicht immer der Fall.

In der Vielfalt unseres Geistes spiegelt sich die unendliche Komplexität des Lebens.

Die Herausforderung, Glaubenssätze zu hinterfragen

Unsere Überzeugungen, Ideen und Meinungen sind letztlich nur erlernte Denkmuster. Sie sind wie einfache Gleichungen: Wenn du X machst, passiert Y. Unser Gehirn zieht aus vergangenen Erfahrungen seine Schlüsse und wendet diese auf die Gegenwart und Zukunft an.

Oft klammern wir uns an sie, als hinge unser Leben davon ab. Konfrontiert mit der Möglichkeit, sie zu hinterfragen, reagieren wir mit starken körperlichen Symptomen – ein Zeichen dafür, wie tief sie in uns verankert sind.

Doch oft genug hängen diese Glaubenssätze wie ein schwerer Rucksack an uns. Sie scheinen ein Teil von uns zu sein, aber in Wirklichkeit sind sie nur Ausdruck dessen, was wir zu glauben gelernt haben.

Diese Überzeugungen spiegeln nicht unsere wahre Natur oder die Realität wider und sind keine unumstößlichen Wahrheiten.

Neue Wege im Denken und Handeln

Doch wir besitzen die Fähigkeit, unsere mentalen Verbindungen zu lockern und neue zu knüpfen. Unsere Intuition hilft uns dabei, über die Grenzen erlernter Denkmuster hinauszublicken und die Realität klarer zu sehen. Als ich über meine frühere Verkaufs-Phobie nachdachte, erkannte ich, dass meine heftige Reaktion nicht meine eigentliche Überzeugung widerspiegelte.

Indem wir auf unsere innere Stimme hören, erweitern wir unser Bewusstsein und reagieren nicht mehr nur automatisch. Unser Gehirn beginnt zu verstehen, dass keine echte Gefahr besteht und macht sich daran, neue Denkwege zu bilden. Heute, in meiner Arbeit mit Verkauf und Marketing, begegne ich zwar noch immer meinem alten Schutzmechanismus, doch ich habe gelernt, nicht reflexartig darauf zu reagieren. Ich lasse die unangenehmen Gefühle vorübergehen und überlege mir dann in Ruhe, wie ich meine Produkte und Dienstleistungen authentisch präsentieren möchte.

Das Ergebnis dieser neuen Herangehensweise fühlt sich stimmiger und mehr nach mir selbst an. Je öfter ich diesen neuen Weg beschreite, desto stärker bildet mein Gehirn neue neuronale Verbindungen, die die alten überlagern. Selbst wenn die alten Muster als Erinnerungen bestehen bleiben, lösen sie nicht mehr die gleichen negativen Gefühle aus wie zuvor.

Selbstreflexion und Intuition: Überwinde alte Überzeugungen

Hast du jemals bemerkt, dass bestimmte Überzeugungen in dir unangenehme Gefühle hervorrufen, obwohl du intuitiv spürst, dass sie nicht mehr der Wahrheit entsprechen? Erkennst du in dir selbst manchmal den Gedanken „Ja, so bin ich halt“, obwohl du weißt, dass dir diese Überzeugung nicht mehr dient?

Wenn das der Fall ist, versuche doch einmal diese zwei Schritte:

  1. Bewusste Reaktion statt sofortigem Impuls: Anstatt sofort auf den ersten Impuls zu reagieren, nimm dir einen Moment Zeit, um dein Bewusstsein zu öffnen. Was passiert dann? Zeigen sich vielleicht neue Perspektiven oder alternative Handlungsweisen, die du vorher nicht gesehen hast?
  2. Auf die Intuition hören: Was versucht deine Intuition dir zu sagen? Versuche, das unangenehme Gefühl auszuhalten und zu erkennen, dass es nur eine neuronale Reaktion ist. Warte ab, was nach diesem Gefühl kommt. Du könntest überrascht sein, welche Klarheit und Erleichterung dich erwarten, wenn du diese Phase durchschritten hast.

Alles Liebe

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